Stell Dir vor, es ist Gottesdienst, und alle gehen hin.

Wer kommt in eine alte Anstaltskirche? Die, die dahingehören: Menschen, die dort Hilfe erfahren, die dort arbeiten, Angehörige, Betreuer. Auf einmal stehen zwei junge Leute vor der Tür, ein Paar, sie wollten heiraten, wohnen um die Ecke, und ob das mit der Hochzeit hier in dieser Kirche möglich sei? Ist es.
Anderthalb Jahre später ist die Braut von damals Lektorin im Gottesdienst, ihr kleiner Sohn ist hier getauft, die ganze Familie fühlt sich hier zuhause, Freunde kommen mit. Alles ganz normal?
„Kommt, es ist alles bereit. Seht und schmeckt, wie freundlich Gott ist.“ Besonders ruhig ist es nie während des Gottesdienstes. Wenn´s zum Abendmahl geht, hält es allerdings kaum jemanden auf dem Platz. Einen Kreis zu schaffen, dauert etwas, aber in einer fast birnenförmigen Runde geht es auch. Bei manchem ist der Kelch in einem Zug leer – „kommt und trinkt alles daraus“… Lektorin und Pastorin verteilen so viel, wie jeder braucht.

Hier feiern verschiedene gemeinsam, Menschen mit geistigen Behinderungen und ihre Freundinnen und Angehörige, Patientinnen aus dem Evangelischen Krankenhaus, Nachbarfamilien aus dem Stadtteil, Mitarbeitende, Menschen aus der ganzen Stadt. Hier um den Altar sich zu versammeln, geht leicht.

Damit uns nicht trennt, was uns unterscheidet.

Anne Gidion, Pastorin

2007-2009 als Pastorin im Diakonischen Begegnungszentrum „feuerherz“ mit Sitz in der St. Nicolauskirche in Hamburg-Alsterdorf. Inklusion als Thema in Gottesdienst und Gemeindeleben – wie können Menschen mit verschiedenen Fähigkeiten zusammen feiern, singen, beten? Wie nutzen Gemeinden ihr altes Wissen, von Mitmachen zu leben, auch für Menschen mit Behinderungen und herausforderndem Verhalten?

2004-2007: Umzug aus Berlin nach Hamburg, Gemeindevikariat in St. Georg-Borgfelde – politische Gemeinde statt Berliner Politik

2001-2004: Seitenwechsel: Politik statt Kirche, Referentin für die Kontakte zu Kirchen und Religionsgemeinschaften bei Bundespräsident Johannes Rau. Kirchen als Handlungsfeld von außen betrachtet.

1999-2001 in Berlin, Referentin beim Bevollmächtigten des Rates der EKD bei der Bundesrepublik Deutschland, Prälat Dr. Stephan Reimers

1998-1999 nach dem 1. theologischen Examen: Mitarbeit beim Kirchentag in Fulda

1990-1998 Studium der Theologie und Kunstgeschichte in Marburg, Durham (GB), Heidelberg, Wuppertal und Bochum. Probier- und Inspirationsfelder während des Studiums: Evangelisches Studienwerk Villigst, Deutscher Evangelischer Kirchentag, Kunsthalle Mannheim als Museumspädagogin für Kinder und Erwachsene

1977-1990 Schulbesuch in Göttingen

Weitere Begleitmusik: Ökumene im Lebensfeld der angeheirateten katholischen Großfamilie, im ökumenischen Kammerchor am Kleinen Michel in Hamburg, in der Begegnung von Diakonie und Caritas.

Dabei immer als Continuo: Mitverantwortung bei Leitung und Gestaltung der Deutschen Evangelischen und der Ökumenischen Kirchentage. Experimentierfelder für Gottesdienst und Liturgie in von Eröffnungs- und Schlussgottesdiensten, Gottesdienstwerkstätten und theologisch-politischen Podien.